Expertengespräch (x) mit Heinrich Hausmann und Karl-Heinz Salm, Vorstand Schaustellerverband, Darmstadt

[Volksfeste sind Orte der Kommunikation und Völkerverständigung]

„Die offizielle Geschichte der Märkte in Darmstadt beginnt mit dem Jahr 1330“, so steht es auf der Website des Darmstädter Schaustellerverbands zu lesen. Das Regionalmagazin hat bei Heinrich Hausmann, dem Vorsitzenden, und Karl-Heinz Salm, seinem Stellvertreter, nachgefragt: Wie ist es heute bestellt um die Schaustellerei hier bei uns.

Herr Hausmann, Herr Salm, Sie stehen zwar an der Spitze des Schaustellerverbands in Darmstadt, aber wer Sie z.B. in offiziellen Nachschlagewerken der Wissenschaftsstadt Darmstadt sucht, wird nicht fündig. Mehr noch, wer nach Ihnen auf der Internetseite der Stadt Darmstadt Ausschau hält, der findet dort allenfalls den Hinweis „kein Treffer“, also keine Informationen verfügbar. Gibt’s dafür nachvollziehbare Gründe?

Heinrich Hausmann: Sie bemängeln zu recht, dass wir nicht im offiziellen Nachschlagewerk der Stadt Darmstadt vertreten sind, auch uns verwundert dies sehr. Wir haben jedoch die Hoffnung, nachdem man uns am 15. April die Silberne Verdienstplakette der Stadt Darmstadt überreicht hat, dass sich dieser Zustand ändert. Was jedoch die Internetseite betrifft, so sind wir unter darmstaedter-schaustellerverband.de vertreten, unter anderem mit einer Verbandschronik, der Zusammensetzung des Vorstandes, div. Veranstaltungen usw.

Erzählen Sie den Lesern des Regionalmagazins doch ein bisschen was, über die Geschichte des Schaustellerverbands, wen Sie heute alles repräsentieren usw.

Karl-Heinz Salm: Der Darmstädter Schaustellerverband e.V. wurde in diesem Jahr 100 Jahre alt, was in Kollegenkreisen mit vielen Freunden und prominenten Gästen ausgiebig gefeiert wurde. Der Darmstädter Schaustellerverband ist damit der drittälteste Verband in Hessen. Insgesamt gibt es in Hessen neuen Berufsverbände, die wiederum zu einer Zweiggeschäftsstelle zusammengefasst wurden, die ihren Sitz in Darmstadt hat und von unserem Vorsitzenden Heinrich Hausmann geführt wird, da alle Hessenverbände ihm zum Vorsitzenden gewählt haben. In Darmstadt selbst betreuen wir ca. 120 Mitglieder in allen anfallenden Berufsfragen. Der Verband und hier im Besonderen seine Vorstandsmitglieder engagieren sich in zahlreichen Darmstädter Organisationen (u.a. ProRegio, Heimatverein, Stadtverordneten-Parlament, Kinderkrebshilfe sowie in vielen Förderkreisen), zahlreichen anderen Verbänden und Vereinen auch im weiteren Umkreis.

Darmstadt ist ja weit in die Region hinein bekannt für all seine Feste. Bei welchen sind Sie denn besonders engagiert?

Heinrich Hausmann: Der Verband engagiert sich in hohem Maße auch bei allen städtischen Veranstaltungen. u.a. Messen, Kirchweihen, Weihnachtsmarkt, verkaufsoffene Sonntage, Erbacher Wiesenmarkt und allen anderen Veranstaltungen, bei denen unsere Erfahrung und unser Wissen benötigt werden.

Vieles hat sich auf Jahrmärkten und Messen im Laufe der Jahre verändert. Wie würden Sie Ihren Berufsstand heute definieren? Wie wichtig ist es nach wie vor, den Menschen Möglichkeiten zu bieten, vom Alltag etwas Abstand zu gewinnen?

Karl-Heinz Salm: Gerade in unserer heutigen von Hektik und Schnelllebigkeit geprägten Zeit ist es uns umso wichtiger, auf unseren Volksfesten und Jahrmärkten, die ja bekanntlich ein Ort der Kommunikation und Völkerverständigung durch alle Gesellschaftsschichten sind, etwas für Junge und Junggebliebene zu bieten. Wir legen heute mehr denn je sehr großen Wert auf einen guten Mix aus High-tech und Nostalgie.

Sie handeln – neuhochdeutsch ausgedrückt – mit Events, mit Verlockungen vielfältigster Art. Wie weit sind Sie dabei vernetzt mit ähnlichen Anbietern in Darmstadt, aber auch in unserer Region?

Heinrich Hausmann: Die Antwort ergibt sich automatisch aus unserem Beruf, der uns ja weit über die Grenzen unserer Stadt hinausführt und uns zwingt, auch neue Märkte zu erschließen sowie neue Wege zu gehen.

Wir haben in Darmstadt ja gerade einen neuen Oberbürgermeister gewählt, der demnächst sein Amt antritt. Welche Wünsche hätten Sie denn an unser künftiges Stadtoberhaupt?

Heinrich Hausmann, Karl-Heinz Salm: Wir hoffen, dass uns der neue Oberbürgermeister in all unseren Sorgen und Problemen unseres Berufsstandes, die ihm ja schon seit längerer Zeit als Bundestagsabgeordneter bekannt sind (und derer er sich schon des Öfteren angenommen hat) soweit es ihm möglich ist unterstützen wird. Im gleichen Atemzug möchten wir uns bei unserem scheidenden Oberbürgermeister Peter Benz und unserer derzeitigen Dezernentin Cornelia Diekmann für die gute und für beiden Seiten erfolgreiche Zusammenarbeit bedanken. Wir sind bereit, mit unserem neuen Stadtoberhaupt eingeschlagene Wege weiter zu gehen und offen für alle unserem Berufsstand dienliche Neuerungen.

Die Fragen stellten die Regionalmagazin-Herausgeber W. Christian Schmitt und Bürgermeister a.D. Horst Knechtel